Grundsätze der Qualitätsentwicklung

Der VPK (LV Bayern) teilt die im Sozialgesetzbuch VIII zur Geltung gebrachte Überzeugung, dass sich die Qualität sozialer Arbeit nicht durch Wahrung des Erreichten sichern lässt, sondern nur durch eine Haltung, die sich einerseits professionellen und berufsethischen Grundüberzeugungen verpflichtet fühlt, die aber andererseits Leben und Arbeiten in einer Einrichtung als lebendigen Prozess begreift, der auf neue Herausforderungen neue Antworten sucht. Daher steht nicht Aufgabenerfüllung im Zentrum unserer Arbeit, sondern Lebensbewältigung.

Lebensbewältigung gelingt nur dann, wenn alle Beteiligten, in der Kinder- und Jugendhilfe die Einrichtung mit ihren Mitarbeitern, die Eltern und die Kinder und Jugendlichen selbst, daran beteiligt sind und werden. Als Ort des Lebens und der Lebensbewältigung findet in einer stationären Einrichtung Entwicklung auf allen drei Ebenen statt:

  • Zentrale Aufgabe ist die Entwicklungsförderung der ihr anvertrauten Kinder und Jugendlichen, die dem besonderen Bedarf im Einzelfall entsprechen muss. Die Hilfe der Fachkräfte zielt darauf, fehlgeleitete oder blockierte Entwicklungsprozesse zu erkennen und unter Einsatz ihrer fachlichen Mittel und Möglichkeiten wieder in normale, d.h. individuelle, kindgerechte und altersentsprechende Bahnen zu lenken. Hilfebedarf wird umgemünzt in Entwicklungspotential, das sich die Kinder wieder zu Eigen machen können. An dieser Aufgabe bewährt sich die Fachlichkeit einer Einrichtung und ihrer Mitarbeiter.

  • Die wichtigste flankierende Aufgabe besteht darin, die Eltern und familiären Bezugspersonen der Kinder an dieser Aufgabenstellung zu beteiligen. Weil sie maßgeblich an der Entstehung des Hilfebedarfs beteiligt waren und dem Kind gegenüber in einer erwachsenen Verantwortung stehen, muss auch ihnen Entwicklungsbereitschaft abverlangt werden. Weil dem aber eigene Lebensgeschichten mit dem Resultat verfestigter psychischer Strukturen und Erwartungshaltungen entgegenstehen, muss sich die Elternarbeit immer am Möglichen orientieren. Ziel muss immer sein, die verfügbaren Ressourcen der Eltern zu aktivieren und in den Hilfeprozess einzubeziehen.

  • Getragen und abgesichert werden muss diese doppelte Aufgabenstellung durch die Bereitschaft der Einrichtung und ihrer Fachkräfte, die eigenen, fachlichen und menschlichen Ressourcen und Potentiale zu erweitern und auszuschöpfen. Nach dem Qualitätsverständnis des VPK ergeben sich die jeweils spezifischen Erfordernisse aus der Struktur einer Einrichtung und ihrer hierarchischen Ebenen (s.o.). Die Entwicklungserwartungen sind von der jeweiligen Einrichtungsleitung zu formulieren, die Möglichkeit, sie umzusetzen, muss durch Austausch, Fortbildung und Supervision als mitlaufende Strukturen geschaffen werden.

Die Verantwortung der einzelnen Einrichtung und ihrer Leitung besteht darin, einen Arbeits- und Lebensrahmen zu schaffen, in dem die hohe ethische Verantwortung und der fachliche Anspruch, die diese Aufgabenstellung erfordern, so umgesetzt werden können, dass sie Potentiale und Ressourcen nicht bindet und erschöpft, sondern anregt und fördert. Wenn und insoweit dies gelingt, gehen Einrichtungsentwicklung und Entwicklung der anvertrauten Kinder und Jugendlichen Hand in Hand und sind Aspekte einer gemeinsamen Aufgabe, deren konkrete Ausgestaltung in der Verantwortung der Einrichtung liegt.